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Literaturtipp: Katharina Münk
Und morgen bringe ich ihn um!

„Und morgen bringe ich ihn um!“ Unter dem Pseudonym Katharina Münk veröffentlicht eine echte Chefsekretärin ihr erstes Buch. 18 Jahre lang ist sie schon die Vertraute zahlreicher Topmanager. Sie kämpft mit den Macken cholerischer bis manisch-depressiver Chefs und lernte dabei, anderer Leute Größenwahn zu verwalten. Eines Tages blickte sie sogar in den Lauf einer gezückten Pistole. Das schockierende Ereignis wird zur Initialzündung für den humorvollen, autobiographischen Erlebnisbericht.

Sekretärinnen - für Topentscheider sind sie unerlässlich. Sie sind ihre rechte Hand und zumeist sogar auch ihre linke. Die Vorzimmerdame ist nicht nur lebender Pocket-PC und eiserne Wächterin in Personalunion, sondern auch eine zum Statussymbol avancierte Animateurin, Psychotherapeutin und Punchingball. Katharina Münks berufliches Kredo: „Ohne Nervenstärke, eine gewisse innere Distanz zu den Dingen und eine gesunde Portion Gelassenheit geht’s nicht!“ Ihre neun Chefs wollten sie als Leibeigene. Das versucht Katharina Münk mit allen Mitteln zu verhindern – bis heute. Auf ihr Konto gehen offen geäußerte Kritik und der Wunsch nach eigenen Visitenkarten. Doch diese Bemühungen bewahren sie nicht vor dem Wahnsinn auf deutschen Vorstandsetagen. Jetzt rechnet sie mit ihren Ex-Chefs hinter den dick gepolsterten Türen ab.


Der alltägliche Wirrwarr wird etwa durch einen Vorstandsvorsitzenden deutlich, der ein halbes Dutzend afghanischer Teppichhändler in sein Büro zitiert, nur um herauszufinden, mit welchem Teppich er sich am wohlsten fühlt. Vor Münk als ihrer Sekretärin ließen schon zahlreiche Chefs alle Hemmungen fallen. Manager stehen einfach derart unter Strom, „dass der Rest an authentischer Menschlichkeit in homöopathischen Dosen allenfalls noch der Familie zugute kam.“ Es werden unter anderem abgebissene Fingernägel gekaut und Texte mit mehr als drei Keksen im Mund diktiert. Keiner dieser Herrschaften ist ihr unbekannt, ob Narzist oder Vollstrecker, Schreibtischtäter, Scheinheiliger oder Goldcard-Besitzer, der bei der Prüfung seiner neuen Visitenkarte glatt die Vorstandssitzung vergisst.

Vor 20 Jahren las Münk: „Geben Sie sich auch optisch so frisch und appetitlich wie der Obstsalat, den Sie servieren.“ Und so wünschen es sich die Chefs bis heute. Qualifikation sei nur die „Basisausstattung“, wohingegen positive optische Akzente die „Sonderausstattung“ auszeichnen. Und die sei überaus wichtig. Denn nach dem Firmenwagen sei die Sekretärin das wichtigste Statussymbol des Topmanagers. Schließlich ist sie nicht nur Trophäe und Aushilfs-Butlerin, sondern auch häufig das erste Gesicht, das der Vorstand morgens erblickt. Bei allem ironischen Witz, der im Buch steckt, meint es Katharina Münk überaus ernst mit der Botschaft an die Chefs: Erkenne deine Sekretärin! Erweise ihr den nötigen Respekt!

Katharina Münk, die weder ihren wahren Namen, noch ihr Aussehen, geschweige denn ihren Wohnort offenbaren will, arbeitet heute glücklich als Sekretärin in einer deutschen Großstadt. Die Namen der früheren Chefs, der Firmen und der Berufsbranchen sind daher verfremdet. „Das ist sonst zu brisant“. Sekretärin käme eben von „Secret“ und Verschlossenheit gehöre zum Berufsethos. Ein bisschen gibt sie jedoch von sich Preis. Sie ist eine vierzigjährige Ehefrau und Mutter, die Beine „nicht besser als Durchschnitt“ hat. Über ihre berufliche Ausbildung erzählt sie hingegen viel und stellt auch gleich einiges klar: Sie ist Einser-Abiturientin, keine Umschülerin, keine, die einen Volkshochschulkurs besucht und nach 200 Stunden das Zertifikat „Sekretärin“ in der Tasche hatte. Direktionsassistentin ist sie, mit 400 Anschlägen pro Minute, 160 Silben Steno und drei Fremdsprachen in Wort und Schrift. Doch eigentlich erwarte der Chef vor allem eines: „Zehn flinke, manikürte weibliche Finger vor einer PC-Tastatur und eine helle Stimme, die in drei Sprachen 'Ich verbinde' sagen kann.“ Eine frustrierte Bürokraft sei sie nicht. Schließlich hatte sie genügend Abwechslung in ihren DAX-Unternehmen, Großbanken und Mittelstandsfirmen.


Katharina Münk
Und morgen bringe ich ihn um!
Eichborn 2006

173 Seiten, ISBN: 3-8218-5633-5

€ 14,90 [D]




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