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Harro von Senger
36 Strategeme für Manager
List bedeutet im westlichen Kulturkreis Täuschung und wird in den meisten Fällen als negativ und moralisch nicht tragbar betrachtet. In China allerdings ist die List ein ganz normaler Vorgang im Geschäftsleben. Das Schriftzeichen für List ist dasselbe wie für Weisheit. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die erfolgreiche Anwendung von List in China als Beweis für Intelligenz und Kreativität gilt. Harro von Senger beschreibt in „36 Strategeme für Manager“ die gebräuchlichsten Listtechniken, im Buch meist Strategeme genannt.
Die Basis für diese Auflistung bildet das „geheime Buch der Kriegskunst“, geschrieben vor ca. 500 Jahren. Allerdings sind die Strategeme selbst teilweise schon viel älter. Es sind nicht die Ideen eines Autors o.ä., sondern jahrhundertalte Überlieferungen.
Nach Sengers Meinung sollten insbesondere Manager mit Kontakt in die asiatische Welt sich mit der List im chinesischen Sinne beschäftigen, um nicht durch die von ihm oft erwähnte „Listenblindheit“ Schaden zu nehmen. Aber auch in der westlichen Welt kann es nur von Vorteil sein, wenn man sich mit der Theorie der List auskennt. Denn auch wenn es hier keine niedergeschriebenen Listtechiken gibt, werden doch oft unbewusst Listen angewendet. Wer sich hier in der Kunst der List auskennt merkt schneller als der Listenlaie, wenn er über den Tisch gezogen werden soll.
Das Buch soll nicht als Anleitung zur Täuschung dienen. Es soll vielmehr den Leser anregen, die uns gebräuchliche Bedeutung von List zu überdenken. List bedeutet mehr als Täuschung. Nur ein kleiner Teil der beschriebenen Strategeme fallen unter die Kategorie Täuschungsstrategeme. Listig ist auch der, der sich bietende Gelegenheiten erkennt und ausnutzt oder neue Problemlösungen findet, auf die sonst keiner kommt.
Das Strategem Nr.16 heißt: „Die Akazie schelten, aber den Maulbeerbaum meinen“. Damit könnte der Strategemanwender beispielweise jemanden kritisieren, den zu kritisieren ihm gar nicht zustehen würde. Etwa indem er die selbe Schwäche bei jemand anderem kritisiert. Auch die Möglichkeit, einen Konkurrenten in einer Werbekampagne ohne Namensnennung zu kritisieren, würde unter diese Stragegeme fallen.
Das Buch gibt eine nachvollziehbare Einführung in die Welt der chinesischen Listtechniken und ihrer Anwendung. Hintergründe werden plausibel dargestellt und erläutert. Jedes Strategem ist mit mehreren Beispielen erklärt und es werden Möglichkeiten, Risiken und Präventionstechniken aufgezeigt. Insgesamt ein sehr aufschlussreiches Buch, mit großem Nutzenpotenzial für Geschäftsleute oder andere Interessierte.
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200 Seiten, ISBN: 3-446-22844-6 € 19,90 [D] |